Frauengesundheit neu denken: Warum der Aktionsplan Frauengesundheit jetzt so wichtig ist
Was bedeutet es eigentlich, gesund alt zu werden?
Diese Frage klingt einfach. Und doch führt sie mitten hinein in eines der wichtigsten Gesundheitsthemen unserer Zeit: Frauengesundheit. Denn Frauen leben in Österreich zwar länger als Männer, verbringen aber mehr Lebensjahre in mittelmäßiger bis schlechter Gesundheit. Laut Frauengesundheitsbericht 2022 beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen knapp 84 Jahre, jene von Männern knapp 78,9 Jahre. Nach eigener Einschätzung verbringen Frauen dabei fast 20 Jahre in mittelmäßiger bis schlechter Gesundheit, Männer knapp 15 Jahre.
Aktuelle Daten der Statistik Austria zeigen für 2024 eine Lebenserwartung von 84,32 Jahren bei Frauen und 79,84 Jahren bei Männern. Ein langes Leben ist also eine große Errungenschaft. Die entscheidende Frage lautet: Wie viele dieser Jahre erleben Frauen mit Kraft, Selbstbestimmung, Freude und guter Lebensqualität?
Genau hier setzt der Aktionsplan Frauengesundheit an. Und genau deshalb schlägt unser Herz am Schlossberginstitut so stark für dieses Thema.

Frauengesundheit ist kein Randthema. Sie ist Zukunftsthema.
Frauengesundheit wurde lange zu eng gedacht. Oft wurde sie vor allem mit Gynäkologie, Schwangerschaft oder Wechseljahren verbunden. Diese Themen sind wichtig. Aber Frauengesundheit ist viel mehr.
Sie betrifft Körper, Psyche, Lebensumstände, Rollenbilder, Bildung, Einkommen, Sorgearbeit, Gewaltprävention, Gesundheitskompetenz, Selbstbild, Altern, Prävention und gesellschaftliche Teilhabe.
Kurz gesagt: Frauengesundheit begleitet ein ganzes Leben.
Das österreichische Gesundheitsministerium formuliert es klar: Gesundheitsrisiken, Gesundheitsverhalten und Krankheitsverläufe von Frauen unterscheiden sich signifikant von jenen der Männer. Frauen leben länger, verbringen aber weniger Lebensjahre in guter Gesundheit. Zudem sind Frauen von sozioökonomischen Gesundheitsdeterminanten, insbesondere Armut, stärker betroffen.
Das ist keine abstrakte Statistik, sondern Alltag.
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Es ist die Frau, die im Beruf funktioniert und zu Hause Angehörige pflegt.
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Es ist die Mutter, die die Termine aller anderen im Blick hat und die eigene Vorsorge verschiebt.
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Es ist die Frau in der Lebensmitte, die spürt: „So wie bisher geht es nicht weiter.“
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Es ist die ältere Frau, die selbstbestimmt bleiben möchte und dafür Wissen, Unterstützung und Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit braucht.
Frauengesundheit beginnt dort, wo Frauen in ihrer Wirklichkeit gesehen werden.
Der Aktionsplan Frauengesundheit: 17 Wirkungsziele, 40 Maßnahmen, ein klarer Auftrag
Der Aktionsplan Frauengesundheit wurde in Österreich unter Beteiligung zahlreicher Expertinnen und Experten entwickelt. Er umfasst 17 Wirkungsziele und 40 Maßnahmen und ist entlang unterschiedlicher Lebensphasen von Frauen aufgebaut.
Die Maßnahmen beziehen sich auf Gesundheitsforschung, Gesundheitsförderung und Gesundheitsversorgung. Sie berücksichtigen sowohl individuelles Verhalten als auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen.
Besonders bemerkenswert: Laut Gesundheit Österreich GmbH nimmt Österreich mit diesem Aktionsplan europaweit eine Vorreiterrolle ein. Der Plan steht im Einklang mit der WHO-Strategie zur Gesundheit und zum Wohlbefinden von Frauen in der europäischen Region.
Damit wird deutlich: Frauengesundheit ist kein Modethema. Sie ist eine fachliche, gesellschaftliche und gesundheitspolitische Notwendigkeit.
Warum frauenspezifische Gesundheitsförderung so wichtig ist
Gesundheitsförderung fragt nicht nur: „Was macht krank?“
Sie fragt: „Was stärkt Gesundheit? Was gibt Halt? Was ermöglicht ein gutes Leben?“
Gerade für Frauen ist dieser Blick zentral, weil Gesundheit oft nicht nur vom eigenen Verhalten abhängt. Sie entsteht im Zusammenspiel von Lebensbedingungen, Rollen, Beziehungen, Arbeit, finanzieller Sicherheit, Bildung, Körperbild, Gesundheitsversorgung und gesellschaftlicher Anerkennung.
Der Aktionsplan beschreibt eindrücklich, dass Unterstützung von Frauen im Sinne von Health in All Policies gedacht werden muss. Gesundheit wird also nicht nur im Gesundheitssystem erzeugt, sondern auch in Bildung, Arbeitswelt, Sozialpolitik, Familienpolitik, Medien, Nachbarschaften und Lebensräumen.
Das passt zutiefst zu unserem Verständnis von Gesundheitsförderung: Gesundheit ist kein isoliertes Projekt. Gesundheit ist eingebettet in das Leben.
Mädchen und junge Frauen: Selbstbild, Körperbild und Selbstbestimmung stärken
Ein Schwerpunkt des Aktionsplans liegt auf Mädchen und jungen Frauen. In dieser Lebensphase entstehen zentrale Prägungen: das Verhältnis zum eigenen Körper, der Umgang mit Gefühlen, erste Erfahrungen mit Rollenbildern, Leistungsdruck, Zugehörigkeit, Sexualität und Selbstbestimmung.
Der Aktionsplan hält fest, dass Mädchen und junge Frauen ihre Gesundheit ab der Pubertät subjektiv schlechter bewerten und mit ihrem Leben weniger zufrieden sind. Er betont daher die Notwendigkeit, Mädchen und junge Frauen ganzheitlich zu stärken: altersgerecht, lebensweltorientiert und mit Blick auf Schutzfaktoren für ein seelisch und körperlich gesundes Aufwachsen.
Besonders bewegend ist der Blick auf Körperbilder: 40 bis 70 Prozent der Mädchen zwischen 12 und 16 Jahren sind mit zwei oder mehr Bereichen ihres Körpers unzufrieden. 50 bis 80 Prozent der Mädchen und jungen Frauen möchten dünner sein.
Hier zeigt sich, wie früh Frauengesundheit beginnt. Und wie wichtig es ist, Selbstwert, Körperfreundlichkeit, Medienkompetenz und Gesundheitskompetenz miteinander zu verbinden.
Frauen im Erwerbsalter: Zwischen Beruf, Familie, Sinn und Belastung
Die Lebensphase des Erwerbsalters ist für viele Frauen besonders dicht. Berufliche Entwicklung, Partnerschaft, Kinderwunsch oder Elternschaft, Sorgearbeit, finanzielle Fragen, Neuorientierung, Wechseljahre, Selbstständigkeit, Karriereknicke und Pflegeaufgaben können sich überlagern.
Der Aktionsplan beschreibt diese Lebensphase als Zeit wichtiger Weichenstellungen. Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Elternschaft stellen sich für Frauen nach wie vor unmittelbarer und nachhaltiger. Besonders Alleinerzieherinnen und sozioökonomisch benachteiligte Frauen sind mit Fragen sozialer Sicherheit konfrontiert.
Hinzu kommen gesundheitliche Themen wie Depression, metabolisches Syndrom, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas, Diabetes und Schwangerschaftsdiabetes. Der Aktionsplan betont ausdrücklich das präventive Potenzial dieser Themen.
Für Menschen in Gesundheits-, Sozial-, Pflege-, Bildungs- und Beratungsberufen liegt hier ein enormes Wirkungsfeld. Wer Frauen in dieser Lebensphase begleitet, braucht Wissen, Feingefühl und Methoden, die stärken, Orientierung geben und Selbstwirksamkeit fördern.
Frauen im höheren Alter: Selbstständigkeit, Würde und Teilhabe
Frauengesundheit endet nicht mit der Pension. Im Gegenteil: Gerade im höheren Alter braucht es differenzierte Angebote, die Frauen in ihrer Vielfalt sehen.
Der Aktionsplan beschreibt, dass gesundheitliche Befindlichkeiten älterer Frauen nicht isoliert betrachtet werden können. Notwendig sind Zugänge, die den unterschiedlichen Bedarfslagen gerecht werden und geistige sowie körperliche Ressourcen stärken.
Dabei geht es um medizinische Versorgung, psychosoziale Unterstützung, Pflege, Gesundheitskompetenz, soziale Teilhabe und Selbstständigkeit.
Besonders schön ist der salutogenetische Gedanke, der im Aktionsplan bei der Forschung zu frauenspezifischen Gesundheitsfragen der dritten und vierten Lebensphase ausdrücklich genannt wird.
Das ist genau der Perspektivwechsel, den wir brauchen: weg von einem defizitorientierten Altersbild, hin zu Ressourcen, Würde, Erfahrung und Lebensqualität.
Wussten Sie schon?
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Frauen leben in Österreich aktuell im Durchschnitt 84,32 Jahre, Männer 79,84 Jahre.
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Der Frauengesundheitsbericht zeigt: Frauen verbringen fast 20 Jahre in mittelmäßiger bis schlechter Gesundheit.
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Weltweit verbringen Frauen laut World Economic Forum und McKinsey Health Institute rund 25 Prozent mehr Lebenszeit in schlechter Gesundheit als Männer. Die Schließung dieser Gesundheitslücke könnte nicht nur Lebensqualität verbessern, sondern auch enorme gesellschaftliche und wirtschaftliche Wirkung entfalten.
Für Politik, Bildung und Gesundheitsberufe ebenso wie für alle, die Frauen auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit, Selbstbestimmung und Lebensfreude begleiten möchten, ergibt sich daraus ein klarer Auftrag.
Frauengesundheit braucht Gesundheitskompetenz
Gesundheitskompetenz bedeutet: Informationen finden, verstehen, beurteilen und anwenden können. Für Frauen ist das besonders bedeutsam, weil sie häufig Gesundheitsentscheidungen für sich selbst und für andere treffen – für Kinder, Partnerinnen und Partner, Eltern, Klientinnen, Patientinnen oder Teams.
Gesundheitskompetenz gibt Sicherheit und stärkt das Vertrauen in die eigenen Entscheidungen. Sie hilft dabei, den eigenen Körper besser zu verstehen, Unsicherheiten einzuordnen und bewusst mit der eigenen Gesundheit umzugehen. Wer gut informiert ist, kann Symptome ernster nehmen, gezielter nachfragen und Entscheidungen treffen, die sich richtig anfühlen.
Der Aktionsplan nennt Genderkompetenz als essenziellen Teil von Gesundheitskompetenz. Er beschreibt zudem, dass bei gleichen Beschwerden bei Männern eher organische Störungen diagnostiziert werden, während bei Frauen häufiger psychosomatische Diagnosen dominieren. Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden als Beispiel für geschlechtsspezifische Unterschiede in Behandlung und Behandlungserfolg genannt.
Das zeigt: Frauengesundheit braucht Fachwissen. Und sie braucht Menschen, die dieses Wissen in die Praxis bringen.
Was bedeutet das für Training, Erwachsenenbildung und Gesundheitsförderung?
Für Fachpersonen eröffnet sich hier ein wertvolles Arbeitsfeld. Frauengesundheit kann in vielen Settings wirksam werden:
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in Workshops zur Gesundheitskompetenz,
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in Präventionsangeboten für Frauen in der Lebensmitte,
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in Kursen zu Stressregulation, Selbstfürsorge und Resilienz,
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in der betrieblichen Gesundheitsförderung,
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in der Begleitung von Pflege- und Sorgearbeit,
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in Angeboten zu Körperbild, Rollenbildern und Selbstwert,
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in Trainings rund um Wechseljahre, Lebensübergänge und berufliche Neuorientierung.
Dabei ist der entscheidende Punkt: Frauengesundheit soll ermutigen. Sie soll Wissen vermitteln, ohne zu beschämen. Sie soll Räume schaffen, in denen Frauen sich selbst besser verstehen und neue Handlungsmöglichkeiten entdecken.
Genau das ist Gesundheitsförderung in ihrer schönsten Form: wissenschaftlich fundiert, menschlich zugewandt und praktisch wirksam.
Warum uns dieses Thema am Schlossberginstitut so wichtig ist
Seit über 26 Jahren steht das Schlossberginstitut für Gesundheitsbildung im Bereich Gesundheitsförderung und Prävention. Das Institut ist von Frauen gegründet und geführt und verbindet wissenschaftlich fundierte Programme mit flexiblen Online-Weiterbildungen.
Für uns ist Frauengesundheit kein Zusatzthema. Sie gehört in die Mitte.
Wir glauben daran, dass Gesundheit mehr ist als das Vermeiden von Krankheit. Gesundheit ist Lebendigkeit. Selbstbestimmung. Würde. Freude. Orientierung. Sinn. Und die Fähigkeit, das eigene Leben mit mehr Bewusstsein zu gestalten.
Der Aktionsplan Frauengesundheit bestätigt vieles, wofür wir seit Jahren arbeiten: Prävention muss früher beginnen. Gesundheitsförderung muss lebensnah sein. Bildung ist ein zentraler Schlüssel. Und Frauen brauchen Angebote, die ihre Lebenswirklichkeit ernst nehmen.
Kleiner Praxisimpuls: Drei Fragen für Ihre Arbeit mit Frauen
Wenn Sie Frauen in Training, Gesundheitsförderung, Prävention oder Erwachsenenbildung begleiten, können diese Fragen hilfreich sein:
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In welcher Lebensphase befindet sich diese Frau gerade – und welche Themen, Aufgaben oder Übergänge prägen diese Zeit?
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Welche Ressourcen, Erfahrungen und Stärken bringt sie bereits mit?
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Welche Rahmenbedingungen beeinflussen ihre Gesundheit – beruflich, familiär, sozial oder gesellschaftlich?
Diese Fragen verändern den Blick. Aus „Was fehlt?“ wird „Was stärkt?“. Aus einzelnen Belastungen wird ein größeres Bild. Aus reiner Wissensvermittlung wird eine gesundheitsfördernde Begleitung, die Frauen in ihrer Selbstbestimmung und Handlungskraft stärkt.
Fazit: Frauengesundheit ist eine Einladung, Gesundheit neu zu denken
Der Aktionsplan Frauengesundheit zeigt eindrucksvoll, wie viel Potenzial in frauenspezifischer Gesundheitsförderung liegt. Er erinnert daran, dass Frauen andere Gesundheitsverläufe, andere Belastungen und andere Ressourcen haben. Und er macht sichtbar, wie wichtig Bildung, Prävention, Forschung und praxisnahe Angebote sind.
Für uns am Schlossberginstitut ist das eine Herzensangelegenheit.
Denn jede Frau, die ihre Gesundheit besser versteht, gewinnt ein Stück Freiheit. Jede Fachperson, die frauenspezifische Gesundheitsförderung kompetent vermittelt, trägt zu einer gesünderen Gesellschaft bei. Und jedes gute Bildungsangebot in diesem Bereich kann Kreise ziehen – in Familien, Teams, Organisationen und Lebenswelten.
Wenn Sie Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen fundiert, stärkend und praxisnah begleiten möchten, laden wir Sie herzlich ein, sich mit unseren Aus- und Weiterbildungen im Bereich Gesundheitsförderung und Frauengesundheit vertraut zu machen.
Gesundheit soll Freude machen. Und Frauengesundheit verdient Wissen, Herz und professionelle Begleitung.
Sie möchten Frauengesundheit fundiert verstehen und professionell begleiten?
Dann entdecken Sie unser Fachmodul Frauengesundheit und unsere Ausbildungen im Bereich Gesundheitsförderung. Fordern Sie gerne den Studienleitfaden an oder buchen Sie eine unverbindliche Studienberatung mit der Institutsleitung. Wir freuen uns, wenn Sie dieses wichtige Zukunftsthema mit uns weitertragen.
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